Was ist ein Übersetzer?
Ein Übersetzer – besser gesagt eine Übersetzerin, denn Frauen sind in diesem Beruf in der Mehrzahl – überträgt einen geschriebenen Text von einer Ausgangssprache in die Zielsprache. Das Übertragen des gesprochenen Wortes nennt man Dolmetschen.
Was tut ein Übersetzer eigentlich?
Ein Übersetzer vollbringt drei Dinge:
1_Zuerst muss er den Ausgangstext in der Fremdsprache verstehen. Und zwar nicht nur die einzelnen Wörter, sondern auch den Sinn des Ganzen, den Tonfall, die Anspielungen, die Abkürzungen, den Jargon. Er braucht also ein gutes bis sehr gutes Niveau in der Fremdsprache und außerdem Kenntnisse im Fachgebiet, aus dem der Text stammt.
2_Bevor er sich ans Übersetzen machen kann, steht oft noch Recherche an – zu speziellen Fachbegriffen oder technischen Details. Das ist schwieriger, als es klingt! Von Wikipedia abschreiben kann jeder, aber glaubwürdige, mehrfach geprüfte Begriffe zu finden, die genau in den Kontext passen und von Spezialisten bestätigt sind, bedeutet viel Aufwand und benötigt einigen Sachverstand.
3_Zu guter Letzt überträgt er den Ausgangstext in seine Muttersprache. Das Ziel ist es, eine Übersetzung zu schreiben, die genau so klingt, als wäre sie von einem Muttersprachler verfasst worden. Dabei sind natürlich alle grammatikalischen Regeln und Stilvorgaben akribisch einzuhalten.
Wie wird man Übersetzer?
Die Berufsbezeichnung Übersetzer ist in vielen Ländern kein geschützter Begriff. Sie können es also mit einem Autodidakten zu tun haben oder aber mit einer diplomierten Fachkraft. N.B. Es gibt ausgezeichnete Übersetzer, die nie eine Übersetzerschule besucht haben! Bemerkenswert ist, dass Übersetzer oftmals eine Ausbildung oder ein Studium in einem völlig anderen Fachgebiet absolviert und einige Berufserfahrung angesammelt haben, bevor sie auf die Übersetzung umsteigen.
Was macht einen guten Übersetzer aus?
Ein guter Übersetzer hat einen großen Wortschatz und drückt sich in seiner Muttersprache absolut stilsicher aus. Er passt seinen Text dem Zielpublikum an. So wird er zum Beispiel für die Infobroschüre für Jugendliche einen anderen Ton wählen als für den Fachartikel über Kläranlagen.
Ein guter Übersetzer kennt seine Grenzen und nimmt keine Aufträge an, für die er nicht kompetent ist. Er bewahrt absolutes Stillschwiegen über alle Informationen, die Sie ihm anvertrauen und bietet hervorragenden Kundenservice. Er ist gewissenhaft in seinen Recherchen. Freuen Sie sich deshalb, wenn er Sie anruft, um Fragen zu stellen, denn seine Übersetzung wird dadurch nur besser!
Warum kann ich meine Übersetzung nicht von meiner Nichte machen lassen, die mal Au-pair-Mädchen in Frankreich war?!
Das können Sie schon. In jedem Berufsfeld gibt es Platz für Profis und für Amateure. Sie müssen lediglich entscheiden, welche Qualitätsansprüche Sie an den jeweiligen Text stellen. Jemand, der auf Französisch einen Milchkaffee bestellen kann, wird unter Umständen mit dem Geschäftsbericht einer Bank überfordert sein.
Übersetzung ist sowohl ein Handwerk als auch eine Kunst. Es braucht bestimmte Techniken, Gewissenhaftigkeit, Kreativität und den nötigen Schuss Neugier. Sprachbegabung und Lebenserfahrung schaden auch nicht.
Ein Übersetzer ist nicht nur Linguist, sondern auch Dienstleister. Als Freiberufler ist er Unternehmer, trägt Risiken, bildet sich fort und beherrscht mit einiger Wahrscheinlichkeit spezifische Software. Wenn Ihre Nichte das alles kann – nur zu!
Wie wähle ich einen Übersetzer aus?
Ein wichtiges Kriterium ist natürlich die Sprachkombination. Denken Sie daran, dass man nur in seiner Muttersprache den kulturellen Kontext wirklich kennt oder feinste Nuancen wiedergeben kann. Vermeiden Sie deshalb, wenn irgend möglich, dass jemand für Sie in eine seiner Fremdsprachen übersetzt. Bitten Sie lieber darum, dass er Ihnen einen Kollegen mit der passenden Sprachkombination empfiehlt.
Ein Übersetzer spezialisiert sich oft auf eine wenige Fachgebiete. Kein Wunder, denn er muss sowohl die Materie beherrschen, als auch sämtliche Fachbegriffe in zwei, drei oder mehr Sprachen kennen. Versuchen Sie, einen Übersetzer ausfindig zu machen, der sich in Ihrer Branche auskennt oder zumindest daran interessiert ist, sich einzuarbeiten.
Seien Sie sich dessen bewusst, dass Sie es bei professionellen Übersetzern mit Akademikern zu tun haben, die oftmals zwei oder mehr Studiengänge absolviert haben, über beträchtliche Allgemeinbildung verfügen und einiges an Lebens- und Berufserfahrung mitbringen. Seien Sie deshalb nicht erstaunt, wenn seine Dienste nicht für ein Praktikantengehalt zu haben sind.